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Vermutlich
schon vor der Errichtung des Römerkastells befand sich hier an der
altmühlüberquerenden vorgeschichtlichen Straße eine Siedlung.
Das Numeruskastell (= Sicherungskastell) ohne eigenen Namen wurde unter
dem römischen Kaiser Hadrian (117-138) in Holzbauweise errichtet.
Numerus ist eine Unterabteilung einer römischen Kohorte. Nach der
um 166 erfolgten Zerstörung durch die Markomannen wurde das Kastell
181 aus Stein wiedererrichtet. Die dazu gehörende Bauinschrift befindet
sich im historischen Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg. Die
endgültige Zerstörung erfolgte 233 durch die Alamannen.
Schon früher stellte man sich die Frage, warum hat man -wie es im
Sprichwort heißt- in Böhming nicht "die Kirche beim Dorf
gelassen"?
Die Kirche, Johannes dem Täufer geweiht, liegt etwas außerhalb
des Ortes und ist mitten im Gelände des ehemaligen Römerkastells
über dem ehemalige römischen Fahnenheiligtum errichtet. Die
Kirche von "Pemmingen" wurde von Bischof Otto (1185-1196) geweiht
und ist bei den Kirchenweihen dieses Bischofs an sechster Stelle verzeichnet.
Papst Urban II. bestätigt 1186 Besitz des Eichstätter Domkapitels
im Ort. Unter Bischof Johann II. von Heideck (1415-1429) wird 1426 die
Urpfarrei Böhming, zu der früher Kipfenberg als Pfarrort gehörte
(die Burg gehört zu Pfarrgebiet von Gelbelsee), mit Kipfenberg vereinigt.
Kipfenberg wird Pfarrei und Böhming Filiale. Mitte des 15. Jahrhunderts
wurde die Kirche neu gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der größte
Teil der Inneneinrichtung. Im 17. Jahrhundert wurde die Inneneinrichtung
modernisiert und die Altäre in ihrer heutigen Form geschaffen. 1870
bis 1871 wurde das Langhaus neu gebaut und Alois Süßmaier schuf
das Deckengemälde.
Böhmings paradiesische Anmut und landschaftliche Schönheit charakterisiert
das Sprichwort: "Wenn einer vom Himmel fällt, muss er nach Böhming
fallen".
Sagen, Berichte und Erzählungen
Die Böhminger Turmscheißer
Die Böhminger heißen mit ihrem Ortsnecknamen -so derb es auch
klingen mag- "Turmscheißer". Bisher konnte noch niemand
die Entstehung dieses Namens analysieren.
Vielleicht könnte es damit zusammen hängen, dass die Böhminger
Kirche sich in ihrer Gesamtheit im frühem Mittelalter nicht allein
im bequemen "Steinbruch" eines ehemaligen römischen Numeruskastells
entwickelt hat, sondern dass das Kirchenschiff nur eine Anlehnung an einen
schon -ebenfalls aus römischen Baumaterialien bestehenden- Überwachungsturm
aus Zeiten Karls des Großen war, der wohl den Zugang zu seinem in
Angriff genommenen "Rhein-Main-Donau-Kanal" sichern wollte.
Eventuell diesbezüglich vorgenommene verteidigungstechnische Vorrichtungen
im Obergeschoss des Böhminger Kirchturmes sind noch zu erforschen.
Inwieweit der Name "Turmscheißer" damit zusammen hängen
könnte ist nicht belegt. Der einzige Turm von Böhming -der Kirchturm-
muß aber wohl damit zu tun haben.
Eine viel banalere Erklärung ist vielleicht, dass der weit außerhalb
des Dorfes Richtung Arnsberg gelegene Turm über viele Jahrhunderte
der in den Feldern arbeitenden Landbevölkerung die nötige Deckung
bot, hier ihre Notdurft zu verrichten, zumal der ebenfalls weit außerhalb
des Dorfes in Richtung Kipfenberg liegende und heute "Feuerfelsen"
genannte riesige Felsbrocken in alten Flurkarten amtlich als "Scheißfelsen"
bezeichnet wird.
Ortsplan von Böhming
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